Everybody ’s Depp?

Seit ein paar Tagen grummelt es in mir. Grund: Kommentare und Bewertungsmaßstäbe von Kollegen.

Aktuelles Beispiel:
Da haben sich Bloggerkollegen viel Mühe gemacht, um über den drohenden GPS-Ausfall durch Sonnenstürme zu berichten. Ein Thema, mit dem ich mich übrigens nicht auskenne und dementsprechend dankbar für die Info bin.
Was mich annervt, sind Kommentare nach dem Motto „alles schon in der Grünen Hölle gewesen“ und dem z.T. unterirdischen Bepunkten beim Geozwitscherer.

Was soll das? Muss ich als Blogger erst die Weissheit auf Löffeln gefressen haben und den Lesern die goldene Wollmilchsau präsentieren? Wenn sich jemand Mühe gibt und ich das Thema schon kenne, kann ich dann nicht einfach abnicken? Oder erst garnicht lesen? Bin ich ein Mensch zweiter Klasse, wenn ich nicht in der Grünen Hölle lese? Welchen Beitrag leiste ich selbst für die GC-Community? Profiquerulant?

Und dann die Kommtentare, die man lossendet. Ich veröffentliche doch kein Statement, in welchem ich beleidigt werde (zum Glück kommt das nicht oft vor).
Ich wünsche mir keine Bauchpinselei von den Lesern dieses oder anderer Blogs, aber manchmal täte es ganz gut, vielleicht eine Nacht über den geplanten Kommentar zu schlafen.

Leute, wir Blogger schreiben, weil wir es gerne tun. Was würdet ihr sonst lesen, wenn wir keine Lust mehr haben? Und wer hat die schon, wenn man oft das Gefühl hat, sich rechtfertigen zu müssen?

Ein Kollege schrieb mir mal: „Jetzt hat Dich das böse Bloggerschicksal ereilt!“
Überlegt bitte, was Ihr Euren Mitmenschen vor die Füße kotzt. Hilfreicher wäre da vielleicht mal ne direkte Mail.
Schlimm wäre es doch, wenn wir uns alle einig wären und uns nur lieb haben. Standpunkte benennen, andere Sichtweisen akzeptieren, diskutieren, zuhören, Höflichkeit und vor allem Respekt. Das wünsche ich mir. Danke!

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15 Gedanken zu „Everybody ’s Depp?

  1. Da fallen mir doch gleich zwei Zitate ein 😉

    Für den der Kritik übt:
    „Die Kritik an anderen hat noch keinem die eigene Leistung erspart.“ – Noël Coward

    Für den der Kritik empfängt:
    „Wenn du kritisiert wirst, dann musst du irgend etwas richtig machen. Denn man greift nur denjenigen an, der den Ball hat.“ – Bruce Lee

    Also in diesem Sinne vielen Dank für viele locker geschriebene Beiträge

  2. Unter den schreibenden Geocachern hat sich eine merkwürdige Kultur entwickelt. Am deutlichsten wird das in der grünen Hölle, das macht aber auch vor anderen Foren und Blogs nicht halt.

    Hier haben sich Umgangsformen etabliert, die anderswo kaum toleriert würden. Anstatt diese Menschen aber in ihre Schranken zu weisen, wählen die Geocacher die größten Proleten zum „Blogger des Jahres“.

    Eine Ursache des Problems dürfte das Bewerbungsverfahren um einen Reviewerjob sein. Hier ruft groundspeak dazu auf, in Foren und Blogs aktiv zu werden. Einige nehmen sich den überheblichen Ton der aktiven Reviewer offenbar zum Vorbild und lassen keine Gelegenheit aus, ihre Loyalität zur Firma zu demonstrieren, indem sie jedem Ansatz von Kritik an den derzeitigen Zuständen mit scharfen Worten entgegentreten. Unterstützung erhalten sie von denjenigen, die befürchten man wolle ihnen ihren „Abenteuerspielplatz“ wegnehmen oder sie durch Regeln beschränken. Da diese Geocacher meist kein vernünftiges Argument dafür haben, weshalb die gesellschaftlichen Regeln nicht auch für sie gelten sollten, werden sie schnell ausfallend und persönlich. Geprägt wurde dies sicher auch durch die Moderatoren in der grünen Hölle, die persönliche Angriffe und Beleidigungen aus der einen Richtung stets toleriert haben und gelegentlich selbst persönlich werden, Kritik in die andere Richtung aber sofort als angebliche Beleidigung zensieren.

    Auf der anderen Seite muss man aber auch sehen, dass manche Blogbeiträge über den Informationsgehalt eines simplen retweets nicht hinauskommen. Das hat dann mit „Schreiben“ nimmer viel zu tun!

    Mancher Blogger sollte sich wohl auch überlegen, sich aus dem Newsaggregator streichen zu lassen. Man hat dann wohl weniger Zugriffe, die Leser die übrig bleiben, lesen aber aus Interesse und nicht um Ihr eigenes Ego mit einem blöden Kommentar aufzuwerten.

  3. Deine Stimmung kann ich durchaus nachvollziehen, manchmal geht es mir ähnlich. Da schreibt man mit viel Energie einen tollen Beitrag und schaut wenig später in den News-Aggregator der Grünen Hölle und findet nur negative Bewertungen – wohlgemerkt ohne Kommentar im Blog.

    Inzwischen sind mir Kommentare, wie „Hatten wir schon in der Grünen Hölle“, oder „Das war schon in zig-Blogs“ ziemlich egal. Ich blogge, weil es mir Spaß macht. Zugegeben greife ich auch schon einmal Themen aus der Grünen Hölle, aber auch anderen Foren auf, aber nur weil ich denke, dass es meine Leser interessiert und das Feedback – auch schon einmal im persönlichen Gespräch – gibt mir immer wieder recht.

    Klar sind bei dem einen oder anderen Kommentar einige Unsitten aus der leider weit verbreiteten Foren-(Un-)Kultur zu finden, doch wenn es einmal überhand nimmt, herrsch bei mir die Sichtweise „Mein Blog – Meine Spielwiese!“. Wenn es einmal unsachlich oder gar persönlich wird, behalte ich mir vor, auch schon einmal Beiträge kommentarlos zu löschen. (War aber bisher nur in Einzelfällen nötig.)

  4. Über die „steht schon woanders“-Kommentare mag man streiten können.

    Aber zumindest die von Dir angeführten Beispiele wirken inhaltlich doch eher grenzwertig. Im Vergleich dazu wirkten die Agenturmeldungen und der zitierte SPON-Artikel überraschend seriös recherchiert und panikmachefrei.

    So gesehen kann ich jeden, der außer den beiden Postings noch den ein oder anderen sonstigen Artikel zum Thema gelesen hat, verstehen, wenn er die Augen verdrehend auf das süße, kleine Minus klickt.

    cu

    ichbins

  5. Das mit dem „das steht schon da und da“ würde mich verhältnismäßig kalt lassen. Schließlich ist das in den Printmedien und im TV ja auch nicht anders. Wenn beispielsweise die ARD über EHEC berichtet und RTL auch wird doch wohl niemand anrufen und sagen „das habe ich aber schon da und dort gesehen“, oder?
    Mit den Blogs sollte es dann grundsätzlich nicht anders sein. Nicht jeder liest jeden Blog, nicht jeder Blogleser liest in der grünen Hölle, nicht jeder Leser der grünen Hölle liest in Blogs. Da darf dann ruhig auch mal an unterschiedlichen Stellen informiert werden, denke ich.
    Mich nervt bei der „Mehrfachverarbeitung“ von Themen eigentlich nur das gehäufte Hinweisen auf Gewinnspiele.

    Auch das (m. E. überflüssige) Bepunkten im Newsreader der grünen Hölle lässt mich ziemlich kalt. Erstens sind es doch sowieso nur eine Hand voll Leute die dort (subjektiv) bewerten. Und zweitens scheint es dort auch sowieso jemanden zu geben der grundsätzlich JEDEN Blogbeitrag negativ bepunktet.
    Vermutlich jemand der noch nicht bemerkt hat dass Geocaching keine Geheimbundtätigkeit ist. 😉

    Also lass dich nicht beirren und schreib einfach weiter wie es dir gefällt.
    Man kann es sowieso nicht jedem recht machen und jeden Geschmack treffen.

  6. Um mal ein paar Beispiele zu nennen:

    – Es gibt da einen Blogger, der sich geradezu darauf spezialisiert hat, Themen, die gerade in der grünen Hölle gelaufen sind und er dort sogar häufig selbst mitdiskutiert hat (und dort eigentlich abgeschlossen sind) „als Aufguss“ zu verbloggen. Nur eben so geschrieben, dass er den -zumindest gefühlten- Forenkonsenz weglässt, frei nach dem Motto „Sonst gibt’s hier im Blog ja keine Kommentare“

    – Eine „Anleitungsblog“, welches gern Fragen aufwirft, die der Blogger sich mit einer simplen Google-Anfrage selbst hätte beantworten können. Und selbst bei nicht ganz so trivialen Fragestellungen postet er Artikel, die verraten, dass das ganze ein „Themen-Start-Thread“ werden soll. z.B. „Die Akkus vom Aldi lassen sich tatsächlich aufladen. Aber vielleicht sollte ich trotzdem demnächst wieder Eneloops kaufen.“
    Einentlich nachvollziehbar, dass solche Beiträge in moenks Aggregator dann nicht nur positive Stimmen bekommen, insbesondere wenn nur Diskussionsbeiträge im Blog freigeschaltet werden, die dem Autor auf die Schulter klopfen.

    Einige von den Bloggern sagen „Ich blogge doch für mich selbst, nicht für meine Leser“. Das klingt wie nach grenzwertig „hübsch“ gekleideten Personen (Stichwort „nabelfrei bei ungünstigem BMI“), die sich dann darüber beschweren, dass darüber gelästert wird.
    Wenn man nur für sich selbst schreibt, dann erscheint mir ein öffentliches Blog (welches auch noch über News-Aggregatoren) läuft doch eher ungeeignet.

    Zumal meiner Ansicht nach die Blogger eher versuchen sollten, besser zu sein als die schlecht recherchierenden Panik-Journalisten von den sogenannten „Qualitätsmedien“. (Und auch besser als die „alles-Bejubel-Testredaktuere“ bei den diversen „PC-kaufmich-jetzt“-Postillen.)

    -jha-

  7. Langeweilige Blogpost bekommen von mir überhaupt keinen Kommentar, sondern werden kurz angelesen und dann drücke ich zumeist auf dieses [X] oben rechts.

    Everybodies ist falsch geschrieben. Du bildest hier fälschlicherweise den englischen Plural. Es ist aber der Geniv gemeint!
    Englisch korrekt: „Everybody’s Depp“.

    😉

    Gruß
    Andi aka Sirex

  8. Das Schöne an der eigenen Webpräsenz ist doch, dass man _seine_ Sicht der Dinge öffentlich darstellen kann. Und diese muss eindeutig nicht derjenigen von anderen entsprechen.

    Einige Leser können damit umgehen, andere nicht – eine Diskussion auf unterschiedlichen Ebenen im eigenen Blog muss man als Schreiber daher aushalten können, das ist Teil des Deals.

    Kommentare in irgendwelchen Portalen sind jedoch irrelevant und unterirdisch, denn die Kommentatoren verstecken sich hier in ihrem Bewertungssumpf, ohne den Schreiber einzubinden. Das erinnert mich an die Jungs, die bei jedem Konzert hinten standen und kein einziges gutes Haar an den Musikern ließen, obwohl sie selbst im Leben noch auf keiner Bühne standen.

    Mein Fazit: Wenn du Sendungsbewusstsein hast, dann blogge! Oder mach einen Podcast. Selbst wenn der Inhalt nur ein Bild oder ein Retweet ist, egal. Deine Meinung, deine Plattform, dein Programm!

    Danke fuer die vielen Beitraege!

  9. Und Weissheit mit nur einem „s“, auch wenn sie „auf Löffeln“ gefressen wird :).

    Der Satz „Überlegt bitte, was Ihr Euren Mitmenschen vor die Füße kotzt.“ sollte nicht nur für die bösen Kommentatoren gelten, sondern auch für den Blogger selbst.

    Markus

    • So, und nun genug der Korrekturen, sonst gibt es was hinter besagten Löffel. Ernsthaft: melde mich umgehend beim Kurs „Keine Rechtschreibfehler in Blogs“ an und gelobe Besserung.

      Wer immer mich nun noch auf weitere Fehler aufmerksam machen möchte… Eine Mail tut es auch.

    • Naja, das mit den „hingekotzten Blogposts“ ist ja schon besser geworden.
      Vor einigen Monaten war es noch üblich, „1-Satz-Postings“ abzulassen: „Hurra, Groundspeak macht Wartung am drölften Jugust. Was genau kommen wird weiss man noch nicht, aber wir lassen uns überraschen.“
      (Und das, wo jeder Cacher das schon mindestens seit 12 Stunden in der Sitenote oben auf gc.com lesen konnte.)
      Alternativ auch „Es gibt eine neue Beta-Firmware für die Oregons. Näheres siehe Releasenotes „.

      Wenn soetwas dann brandaktuell ist: Fein, zu mehr hat die Zeit nicht gereicht in dem schnellebigen Geschäft. Aber zumindest mal eine kurze Zusammenfassung wäre ja nicht schlecht. Wenn’s jemand wirklich ernst nehmen würde mit dem Thema würde er oder sie die Firmware sogar einspielen und schauen, wie sich’s denn anfühlt.
      Naja, andererseits: Irgendwas muss für die Kommentatoren und die Foren ja auch übrig bleiben.

  10. Daher habe ich mich mal vor einigen Monaten entschieden mein Blog beim Geoclub eine Zeit lang nicht mehr listen zu lassen. Seitdem ist die Beleidigungsfrequenz auf praktisch Null runter, der Clickcounter jedoch hat weit weniger gelitten als befürchtet … aus einem temporär geplanten Delisting wird wohl ein permanentes werden …

  11. Blogger schreiben weil sie gerne schreiben.
    Aha.
    Warum dann kein Tagebuch statt eines weltweit lesbaren Blogs wenn man doch eigentlich eh keine Kommentare will?

    Oder bei Facebook nur die „Freunde“ mit den – äh – Neuigkeiten versorgen.

    Oder Twittern, da iiest eh niemand wirklich mit, keiner hat große Ansprüche an Inhalte (oder verliert sich in kürzestzer Zeit) und Kommentieren / diskutieren ist unerwünscht.

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