Nächtliche Stille

Wir schreiben den 1. Oktober. Frau Schatz hat den ganzen Tag gewirbelt in Vorfreude auf den Abend.
Geplant ist ein Nachtcache – der Nachtcache in der Region. Und zwar Lichtspiele. Wenn man die Logs liest, geht die Phantasie auf Reisen. Abwechslungsreich und tolle Effekte, viel Arbeit und Herzblut muss drin stecken.
Das erzähle ich im Auto meinen Mitstreitern. Zur heutigen Crew gehören mein Sohn, sein bester Freund und die Mama seines besten Freundes. Nachdem sie beim letzten Nachtcachen mit dem Geocaching-Virus infiziert wurde, können bei der heutigen Tour die neuen Lampen getestet werden (das andächtige Schweigen beim ersten Einschalten unterstrich die neugewonnene Helligkeit… kleiner Insider).

Angekommen am Start freuen wir uns auf Stille (schliesslich war der Tag hektisch genug). Diese hält bis Station 2 an… dort steht ein Trupp von ca. 6 Erwachsenen und x Kindern. Ich habe mit so was gerechnet, also warten wir. Das Angebot zusammen zu laufen, lehnen wir dankend, denn Stille wollen wir. Auf dem Weg zu Station 3 können wir sie geniessen. Etwas abseits unserer Route sehen wir diverse Lampen im Unterholz rumwuseln. „Ne, da müssen wir nicht hin!“, sage ich zu den Kindern. Entweder die sind falsch oder wir sind es, lachen wir Erwachsenen. An Station 3 nimmt das Drama seinen Lauf. Wir stehen da und überlegen und überlegen und überlegen noch ein bisschen, da kündigt sich die nächste Truppe an, die in einiger Entfernung ein bisschen gewartet hat.
Uns fällt die Kinnlade runter, Wir reiben uns die Augen. Nein, das kann nicht sein?
Doch, eine Truppe von schätzungsweise 20 Leuten. Einer von denen grinst uns an und sagt „Hier ist aber heute viel los!“. Das ist genau der Punkt an dem wir uns für Abbruch entscheiden.
Ich habe einen Hals…
Nicht, wegen des Abbruchs! Wie kann man nur ein einem so großen Rudel nachts durch den Wald spazieren? Nachtcaches sind eh im Sinne des Wildschutzes eine bedenkliche Angelegenheit. Verantwortungslos! In mehrfacher Hinsicht!
Ist das der Preis, für die vielen Favoritenpunkte? Ein total überlaufener nächtlicher Bahnhof? Das kann über kurz bzw. lang nur auffallen. Und die Folgen? Aufgebrachte Anwohner, Jagdpächter und Fortbesitzer sind nicht doof. Sie können für ein jähes Ende dieses bestimmt genialen Caches sorgen.
Muss das sein? Nach euch die Sintflut? Schade, dass anscheinend immer mehr Cacher so denken (wenn sie überhaupt denken).

Und unsere Crew? Wir haben uns für „Quelle der Liebe – reloaded“ entschieden. Eine superschöne Runde durch die pechschwarzes Nacht. Unsere Zeugen: Mond, Sterne und ein einsames Käuzchen. Der Wald hat uns dermaßen verzaubert. Auch wenn wir hier abbrechen mussten (die kleinen Schatzsucher waren zu müde), bedanken wir uns für genau das, was wir gesucht haben – nächtliche Stille! Wir kommen gerne wieder.

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4 Gedanken zu „Nächtliche Stille

  1. Danke, du schreibst mir richtig aus der Seele. Ich bin absoluter Gegener dieses Rudelcachens und dann nachts mit 20 Personen? Das ist doch total bescheuert. So stelle ich mit cachen nicht vor. Nachts gehen wir mit maximal 4 Personen los, auf keinen Fall mehr. Ich will einen Cache gemeinsam mit Freunden finden und dabei den Weg und die Umgebung geniessen und nicht irgendwelchen anderen Cachern hinterher trotteln und keine eigene Leistung mehr erzielen.

  2. die Kommentare der letzten zwei Tage sprechen Bände. Da steht noch groß im Listing: „Parking Area, verhaltet euch bitte unauffällig“ und dann wird munter davon geschrieben, wie man mit einer ganzen Horde nachts losgezogen ist – die unter Garantie alles andere war als unauffällig.

    Schade, auch diesen Cache wird es dann wohl nicht mehr lange geben, wahrscheinlich landen dort demnächst ganze Reisebusse, ist doch viel praktischer für solche Massenveranstaltungen

  3. Ja das ist schon heftig. Ein bisschen weiter ist der Cache Optische Illusionen bei Nacht, bei dem man sich vorher anmelden muss. Am Anfang fand ich das blöd, inzwischen kann ich das vollkommen verstehen, so ist gewährleistet das nicht mehr als 3 Teams und eine gewisse Anzahl von Leuten im Wald sind.

  4. Ja leider wird Geocachen immer beliebter, vor allem seitdem es nun fast jedes Handy über GPS verfügt ist es so einfach geworden zu Cachen !!!
    Aber das ist wirklich heftig, dort so ein Massen – Rudel Cachen heraus zu machen.
    Ich finde bei guten und scheren Multis und Nachtcaches gehe ich gerne mit 3-5 Leute los. Denn hier und da gibt es doch schon mal Aufgaben die man nicht alleine losen kann oder wo jeder so sein Gebiet hat, wo er sich gut Auskennt. Hat uns so schon echt bei diversen Nachtcaches und Multis geholfen. Aber mehr sollte man echt nicht sein ! Dann macht das Cachen schon kein Spaß mehr, weil man nur noch Mitläufer ist ! Und dann macht mir Cachen kein Spaß mehr.
    Daher gehe ich auf normale Tradi Tour auch gerne alleine los, auch sogar fast nen Tag mit dem Rad…

    Daher finde ich die Lösung wie bei Optische Effekte bei Nacht oder Dämonen@Night, wo man sich Anmelden muss, viel besser, da hat der Owner so zusagend dann die Hand drauf !

    So allen weiterhin viel Spaß beim Cachen !

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