Gruß einer Flasche

Da stehe ich nun im Regal. Neben mir einige Kolleginnen und Kollegen. Heute morgen wurde ich aufgefüllt, sagte der nette Mann aus dem Laden, als er mich unsaft weckte. Ließ der doch glatt mein mobiles Heim auf den Boden krachen. Wer kann denn da noch ruhig bleiben? Ich bestimmt nicht. In mir schäumte es (vor Wut).
Ich habe einen schönen Platz in der ersten Reihe. Kann alles wunderbar sehen. Mir gegenüber sind die Knabbersachen.
Zum Glück bin ich nicht von der ganz billigen Sorte. Ich müsste mich doch sehr strecken, um mehr als nur Füße und Beine zu sehen.

Gleich ist es 8 Uhr. Dann gehts los! Wir schließen Wetten ab, wer uns mitnimmt. Ich hoffe, ich kann vorher noch ein bisschen durch die Gegend fahren. Das ist ganz nach meinem Geschmack.

Klasse, Murphys Law. Kommt nen Obdachloser rein und schnappt mich. Wenn ich mir was nicht wünsche, sind es schmuddelige Hände, die mein schönes rotes Etikett ganz dreckig machen. Und als würde das nicht reichen… schüttet der was stinkiges, klares in mich rein. Möcht am liebsten kotzen. Ich will nur noch Duschen…
Na toll, so war das aber nicht gemeint. Da hat der mich doch in nen Brunnen getunkt, druchgeschüttelt und wieder voll gemacht. Ich bin anscheinend nun seine mobile Dusche.

Tage später… ich seh vielleicht aus. Mein Etikett gibt es nicht mehr. Der Verschluss hat diverse Macken. Ich stinke nach Alk und Schweiss. Bitte, ich will weg.

Meine Gebete wurden erhört. Er hat mich liegen lassen. Jetzt ist meine Rettung nur noch eine Frage der Zeit.
Die Amada in Orange rückt zum Großeinsatz an. Mit Besen, Greifern und Harken wird alles auf einen Haufen gekehrt. Ich liege ganz unten. Es ist stockfinster. So muss sich ein Mensch fühlen, der aus einer Lawine geborgen wird. Ein Mann hat mich gerettet. Er steckt mich in einen Sack. Zum Glück bin ich nicht allein. Ein Kollege aus dem Laden ist auch dabei. Er ist allerdings plattgetreten. Auch kein schönes Schicksal. Angstvoll fragen wir uns, was nun kommt.

Tage sind vergangen. Es war sehr turbulent und heiss. Ich bin nun deutlich kleiner. Macht aber nichts. Ich wurde zusammen mit ein paar Kumpels von einem merkwürdigen Typ gekauft. Der hat uns ganz glücklich angelächelt und murmelte etwas von Powertrail. Was das wohl ist?

Ich bin glücklich. Wenn es einen Himmel gibt… ich habe ihn erwischt. Ich habe eine Spitzenaussicht. Schaukel im Wind. Könnte den Leuten auf den Kopf spucken 😉
Ab und an bekomme ich Besuch. Ich habe immer lange Zeit, mich darauf vorzubereiten. Und was soll ich Euch sagen, jeder, der mich besuchen kommt lächelt und sagt „Ich hab’s geschafft!“
Genau, denke ich! ICH HABE ES AUCH GESCHAFFT!!!

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2 Gedanken zu „Gruß einer Flasche

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