Wenn das goldene Kalb nur die gelbe Telefonzelle ist

Pädagogisches Geocachen kann man auch anders verstehen. Da steht der Anspruch der Pädagogen der jugendlichen Realität gegenüber, wie der sprichwörtliche Ochs vorm Berg.
Ich möchte euch von einem solchen Fall erzählen, der auf einer realen Situation basiert.

Sammy steht im Bad. Die lange, blonde Mähne muss gebändigt werden, Klamotten und Makeup sind schon auf der Zielgeraden.
Heute trifft sie in der AG Timo. Der ist so süß. Blöd ist, dass sie für dieses komische Geodingsdabumsda Outdoorklamotten anziehen soll. Nix da, denkt sie… ich kann auch mit High-Heels!
Frau Buchbänder steht vor dem Schrank. Ein Lächeln huscht ihr über das Gesicht. Heute geht es mit den Kids der AG in den Wald. Zum Glück kann sie ein bequemes Outfit wählen. Die Tatzenmarke bietet sich an. Sportbereifung inclusive.

Es ist soweit…. die zwei Welten prallen aufeinander: Die Geocaching-AG!
Frau Buchbänder hält das gelbe eTrex hoch und erklärt die Funktionen. Man braucht sich nicht viel Mühe geben, um zu erkennen, dass sie Spass hat.
Gleichzeitig braucht es kaum Energie, um festzustellen, dass Ihre Neigung nicht von der anwesenden Schülerschaft geteilt wird. Zumindest nicht von den Mädels aus Sammys Dunstkreis. Letztere hat eh nur Augen für Timo.
Mit warnenden Worten bekommen die Schüler nun die Geräte in die Finger. Sie kriegen es gut hin, denkt Frau Buchbänder.
Boh, wat für ein dämliches Teil – Nicht mal touchscreen und schwer und hässlich wie ne Telefonzelle, denkt Sammy.

So schlendern bzw. wandern sie Richtung erstem Cache. Diesen hat Frau Buchbänder an einem kleinen Fluss deponiert. Eine Filmdose, magnetisch angebracht. Man muss schon ein wenig unter die Brücke krabbeln. Es soll ja für die Kids eine kleine Herausforderung sein, hat sich Frau Buchbänder überlegt. Sie beobachtet neugierig das Suchverhalten der Jugendlichen und hat sich vorgenommen, nicht einzugreifen. Abwarten heisst die Devise.
„Die Buchbänder glotzt, als hätte sie nen Date!“ lästert Sammy. Sie steht am Geländer und beobachtet Timo, der die Böschung runter rutscht.
Wir sollen uns unauffällig verhalten? Na klasse, das sieht doch jeder, was wir hier machen. Sie zückt das etrex und will in Telefonier-Gehabe imaginäre Anrufe tätigen. Dabei muss sie lachen und Diana klopft ihr auf die Schulter.
Das Unvermeidliche passiert.
Plumps liegt das GPS im Wasser. Krach am Bach. Frau Buchbänder sieht aus, als habe man jemanden ermordet. Hektisch versucht sie, mit Stöckchen das Gerät zu bergen. Keine Chance. Ratlosigkeit…
Frau Buchbänder brüllt „Lauft zum Hausmeister und holt den Greifer!“
Ein paar Jungs rennen los. Und Sammy? „Eine standesgemäße Seebestattung!“ sagt es und bekommt nen Lachanfall. Das Gesicht der Lehrerin ist wirklich zu komisch. Wenn Blicke töten können, wäre sie kalt. Langsam erkennt Sammy den Ernst der Lage. OMG – die Note in Englisch ist in Gefahr.
Einsatz und „Good Will“ ist gefragt.
Als das Gerät geborgen ist, steuert sie haufenweise Tempos zum Trockenlegen bei. Ausserdem besorgt sie einen Föhn. Muckelig warm deponiert sie unter Argusaugen das „goldene Kalb“ auf der Heizung. Nach einer Stunde Zwangspause und Indoorarbeit, wird das GPS in Gang gesetzt.
Es funktioniert. Trotz langem Wasserbad. „Boh Frau Buchbänder, da haben sie aber nen cooles Teil! Das ist ja sogar wasserdicht! Können wir jetzt wieder nach draußen?“ fragt Sammy und linst zu Timo.
Frau Buchbänder strahlt. „Natürlich! aber um Wasser machen wir heute nen Bogen!“

Und die Moral von der Geschicht…
Geocaching ist für alle leute nicht!

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2 Gedanken zu „Wenn das goldene Kalb nur die gelbe Telefonzelle ist

  1. Uäärrgh…. Die Tatzenuniform…. mir wird… blümerant. Sowas geht ja gar nicht, das ist doch nur Pseudooutdoorchic für Oberstudienräte….Wobei… Moment… Vielleicht ist sie ja Oberstudienrätin ? Dann darf sie natürlich auch in Tatzenuniform kommen, damit man sie als solche erkennt. Aber wenigstens habe ich gelernt, dass es wohl auch GPSse gibt, die man nicht ins Wasser werfen darf 😉

    Ansonsten: Pubertät ist, wenn die Erwachsenen schwierig werden. Schön, dass es diese Erfahrung auch in anderen Soziotopen als der Jugenarbeit gibt 😉

    chrysophylax.de

  2. Man kann niemandem verbieten, Jack Wolfskin-Klamotten anzuziehen.
    Aber lächerlich finden darf man diese Leute trotzdem, die mit Tatzenjacken und SUV zum Eiscafe fahren, um dann „Outdoorstyle“ draußen zu hocken.

    (Taugen die Sachen zu noch etwas anderem ausser „aussehen“?)

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